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Kapitel 017


Serena sah ihn an und ihr Verstand versuchte zu begreifen, was er ihr gerade an den Kopf geworfen hatte zusammen mit einem Grinsen, das ihr die Kehle zuzuschnüren drohte.
„Dämonen…?“
Sie rührte sich noch immer nicht und war ebenso wenig in der Lage, den Blick von ihm abzuwenden. Er hingegen begann zu lachen und schüttelte wieder den Kopf. Dann zog er etwas aus seiner Tasche, das Buch – DAS Buch, und schwenkte es in seiner Hand.
„Was dachtest du ist das Serena – Rabenflug? Ein Kindermärchen? Hast du dich überhaupt ein einziges mal gefragt, was du da eigentlich tust?“
Sein Blick war herausfordernd und ihr Schweigen lag hallend in dem bedrückenden Keller. Dann lachte er wieder und sah ihr fest in die Augen. „Dieses Buch ist ein Inkubus, Rabenflug, meine Schülerin, ein Dämon, der Gefallen daran findet Dinge mit dir oder besser – mit deiner Seele – zu tun, die offensichtlich auch dir zugesagt haben. Und da ich mir sicher bin, dass du dich auch weiterhin mit ihm vergnügen willst, solltest du lieber tun, was ich dir sage, da meine Geduld nicht unerschöpflich ist.“
Mit diesen Worten ging er an dem noch immer sprachlosen Mädchen vorüber, nahm ihr eines der Messer aus der Hand und trat an den Leichnam ihrer Gouvernante heran.
„Ich werde dir in der wenigen Zeit, die uns bleibt, bis wir abreisen, sicher nicht alles zeigen können, wohl aber die wichtigsten Dinge, die du wissen solltest und die dir in einigen Situationen einen Vorteil gegenüber deinen Feinden verschaffen werden.“
Dämon – das Wort hallte in ihrem Kopf. Wie hatte er ihn genannt? Was hatte er gesagt? In ihr tobte ein Sturm von Gedanken und Gefühlen und sie fühlte sich wie vollkommen fremd in einer Situation, die nichts mit ihrem Leben zu tun haben sollte.
Dann sah sie zu ihm hin und keuchte leise, als sie gewahr wurde, dass er bereits angefangen hatte einen Schnitt vom Hals bis hin zur Scham zu führen. Ihr Magen wand sich unter dem, was sie da sah und noch während sie versuchte, sich zu beruhigen und nicht schreiend davonzulaufen, setzte er noch zwei weitere Schnitte jeweils in unterschiedlicher Höhe quer über den Körper.
Dann drehte er sich um, griff nach ihrer Hand und zog sie zu sich hin.
„Du fängst damit an, die Haut zu entfernen. Das ist nicht schwer, wie du merken wirst. Nimm das hier zu Hilfe, dann geht es leichter“ und deutete auf eines der Instrumente das ein wenig an eine Zange erinnerte. Serenas Hände zitterten, als sie noch einen Schritt weiter vor trat. Was tat sie hier? Was war denn nur geschehen? Das war nicht das was sie wollte, mehr noch, es schien ihr schlimmer als jeder Albtraum, den sie je gehabt hatte.
Aber Dipree stand hinter ihr und drängte sie anzufangen und in ihrem Sinn lag das Buch in seiner Tasche, wo sie es nur erreichen konnte, wenn er es ihr gab. Also holte sie tief Luft, verkrampfte ihre bebenden Hände und griff nach der leblosen Haut. Darunter schimmerte er weißlich und mit kaum vernehmbarer Stimme fragte sie. „Warum blutet es nicht?“
Ihr Lehrer lachte kurz und nickte ehe er antwortete. „Das Blut – wurde entsorgt. Mach dir darüber keine Gedanken.“
Dann gab er ihr Schritt für Schritt Anweisungen, was sie tun sollte.

Viele Stunden später trat sie mit unsicheren Schritten aus der Ruine des abgebrannten Hauses in die kühle Nachtluft hinein. Sie war blass, was man in der Dunkelheit nur erahnen konnte und sie fühlte sich vollkommen leer und erschöpft.
Dipree führte sie schweigend zum Anwesen zurück und hinauf bis zur Tür ihres Zimmers. Dort gebot er ihr mit einer Geste, zu warten.
„Es gibt noch etwas, Rabenflug, über das du dir Gedanken machen solltest.“ Seine Stimme wurde leiser und er sah nach rechts und nach links den Gang hinunter ehe er fortfuhr. „Die Wesen, mit denen du umgehst – umgehen lernen wirst haben eine gewisse Vorliebe für unberührte Mädchen.“ Er sah sie an, als suche er in ihrem Gesicht eine Reaktion, aber sie sah ihn nur an, unfähig etwas zu sagen oder zu tun.
„Das bedeutet, dass du dich in sehr große Gefahren begeben wirst, denn es wird jeden einzelnen von ihnen, wenn du ihnen denn tatsächlich und leibhaftig begegnest und mehr als nur einer Schattenform ein Vergnügen sein, sich deine Unschuld zu holen. Ob das nun das ist, was du dir wünscht, wage ich zu bezweifeln.“
Er wartete wieder, musterte sie, aber in ihrem Gesicht lagen nur Schrecken und Erschöpfung.
„Wie dem auch sei, es liegt an dir. Wenn du dieses Risiko ausschließen möchtest, komm heute Nacht zu mir.“ Er zuckte mit den Schultern und wandte sich zum Gehen. Es dauerte drei, vier Sekunden bis Serena begriff und die Starre von ihr abfiel.
„Ihr seid widerlich!“ schrie sie ihn an. „Widerlich und verabscheuungswürdig..“
Diprees Blick wurde kalt und hart, so wie seine Stimme wie schneidendes Eis in ihre Sinne drang. „Ich kann mir tatsächlich etwas Schöneres vorstellen als ein unerzogenes, dummes Gör in mein Bett zu lassen, Mädchen. Wenn ich mein eigenes Vergnügen suchte, wärst sicherlich nicht du meine Wahl.“
Dann seufzte er, als er ihr aufgewühltes und verwirrtes Gesicht sah und trat nahe zu ihr heran. Langsam hob er eine Hand unter ihr Kinn und zog es hoch, so dass sie ihm in die Augen sehen musste. Seine Stimme war plötzlich ruhig und weich, als er weitersprach.
„Ich denke mir, dass es dir Angst macht. Es ist nur ein Angebot, um dir etwas Schlimmeres zu ersparen. Du kannst selbst wählen, ich werde dich nicht beeinflussen. Ich weiß nur, was dich erwarten könnte und würde es dir gern ersparen.“
Dann nickte er noch einmal kurz und wandte sich um. Noch im Gehen raunte er leise „Du weißt ja, wo du mich findest.“

Serena stand noch eine lange Zeit reglos vor ihrer Tür und starrte auf die Ecke des Flures, hinter der er verschwunden war. Bilder flimmerten vor ihrem geistigen Auge und brannten in ihr mit einem Feuer aus unbändiger Angst. Alles schien ihr unwirklich und leer, falsch und so, als wäre sie in einem Traum gefangen, der einfach nicht gewillt war, sie wieder in den Tag zu entlassen. Warum konnte nicht alles wieder so einfach sein wie es früher gewesen war?
Ihre Kehle schnürte sich zu und zitternd lehnte sie sich gegen die wand und ließ den Tränen, die sich aus ihrem Herzen herauf wanden freien Lauf.

Eine Stunde später klopfte es leise an der Tür zu Diprees Räumen