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Zyklus der Flammen


Teil I - Ewiges Licht

 

Kapitel 1 - Das Licht und die Flamme

 

Die Nacht war dunkel und eisig, wie schon viel zu oft in diesem Winter.

Lady Jandrea Nalfwyr zog den Mantel aus schweren Fellen enger um sich - nicht, dass es wirklich Wärme gespendet hätte, wo der eisige Wind doch längst jeden Teil ihrer glänzenden Rüstung in beißenden Frost verwandelt hatte - doch gab es ihr zumindest das Gefühl, die Kälte ein wenig von sich zu weisen.

Mit einer harschen Geste wischte sie sich einige widerspenstige Strähnen ihrer blonden Haare aus dem Gesicht und spähte in die Schwärze der Nacht.
Dort war nichts - zumindest nichts, was man hätte erkennen können.
Mit einem Ruck wandte sie sich um und ging die Schritte zum Lager zurück, das sie aufgeschlagen hatten, um die Nacht zu überdauern.
Ihre Männer hatten bereits ein Feuer angezündet und brieten Fleisch über der Flamme, so gut es eben ging.

Nachdenklich lag ihr Blick in den Flammen und sie fllüsterte leise, sich selbst beruhigend, vor sich hin "Ewiges Licht, Ursprung allen Seins..."
Doch dann versiegten ihre geflüsterten Worte und ihre gepanzerte Hand ballte sich zur Faust.
"Es muss hier irgendwo sein - ein Irrtum ist ausgeschlossen!"
Norgram Glutwind, ein alter Veteran mit grauem Bart und blaugrauen Augen, sah zu ihr auf.
"Wenn die Bestimmung uns diesen Weg sendet, so werden wir finden, was zu finden uns vorhergesagt ist."
Seine Worte waren ruhig gesprochen und ließen keinen Raum für Zweifel.
Er wusste um die manchmal mangelnde Geduld der ewigen Flamme - so ihr Titel im Orden, den sie selbst ins Leben rief.
Der Orden des Ewigen Lichts - er hatte sich nicht dem Irrglauben an die falschen Götter angeschlossen.
Es gab nur jenen einen, der aus dem Dunkel zu ihnen getreten war und Ihnen das Licht geschenkt hatte und jener wurde von den falschen Göttern aus der Welt gestoßen. Da es ihnen nicht möglich war, ihn selbst zurück in diese Welt zu holen, so wollten sie doch sein Vermächtnis ehren - das Licht, die Liebe und die Güte, die Reinheit einer Welt ohne Habgier und Neid.
So hatten sich diese Männer und Frauen zusammengefunden und sich um Jandrea geschart, die ihnen Mut und Zuversicht zugesprochen hatte, ihre Zweifel von ihren Gedanken gefegt und ihnen den Glauben an das Licht geschenkt hatte.

Nun waren sie hier, im äußersten Norden des Reiches, Jahre, nachdem der Orden sich zusammengefunden hatte und  Jandrea von Träumen heimgesucht worden war - Träume, die mehr waren als nächtliche Gespinste aus Gedanken. Sie hatte in diesen Träumen das Gesicht gehabt, Dinge gesehen, die geschehen mussten und geschehen würden, Wege, die sie zu beschreiten hatten.

Und ohne zu  zögern waren sie aufgebrochen, hatten sich auf die Suche gemacht nach dem, was ihnen fehlte - dem, was vervollständigen sollte, was sie waren.
Die Flamme würde brennen, sie würden sie in die Welt tragen und Gerechtigkeit würde herrschen, so wie auch Frieden und Recht.
So sagten es die Bilder.
Jandrea glaubte an einen Helden, den sie hier finden würden, einen starken Mann, der in der Lage war, ihrer Sache, dem Kampf um das Leben und das Licht, weit draußen in der Welt eine Stimme zu verleihen.. und ein Schwert.
Doch Norgram zweifelte ein wenig. Was hätte ein Krieger hier mitten im Nirgendwo verloren?

Ruhig hob er seinen Blick hinauf zu der Fahne, die über ihnen wehte und sie begleitete. Das Kreuz, das schon seit Generationen Familienwappen der Naelfwyr war, jede Seite weisend in eine Himmelsrichtung, beschreibend den Weg des Lichts im Kampf gegen die ewige Nacht, dankend jenem, der aus dem Dunkel gekommen war, um die Welt in Licht zu tauchen.. und in der Mitte des Kreuzes die ewige Flamme,als  stilles Versprechen, aufrecht zu erhalten, was niemals vergessen werden durfte.
Die Flamme hatte Jandrea hinzugefügt, als der Orden gegründet wurde.
Er seufzte.. doch in jenem Moment hörte man laute Rufe aus dem Dunkel.
Ein Späher kam zurück, eiligen Schrittes und laut rufend, was so gar nicht zu dem schmächtigen Jüngling passen mochte, der er war.
Sein Weg war stets leise und weise gewählt, so dass niemand ihn sehen konnte, dem er es nicht gestattete.

"MyLady, MyLady..  schnell, kommt her.. hier.. hier... "

Man hörte die Worte, ehe sich seine Silhouette aus der Dunkelheit schälte - und mit ihm eine zweite, kleinere - noch schmalere.
Die Brauen von Jaendrea zogen sich langsam zusammen, ihre schlanke Gestalt, die jedoch jedem, der ihr gegenüberstand, augenblicklich Respekt einflößte, straffte sich und langsam ging sie auf die beiden zu.
"Was hat das zu bedeuten.. ?"
Die Worte erstarben auf ihren Lippen, als sie sah, wen er da in den Lichtkreis des Feuers zerrte.
"Aber.. " sie fand keine Worte.

Vor ihr stand ein schmaler, kleiner Junge, vielleicht neun Sommer alt, der blass und verängstigt zu ihnen aufsah. Gekleidet war er in feinste Gewänder aus lichtheller Seide und Samt, bestickt mit Gold und um den Hals trug er eine schwere goldene Kette mit einer leuchtenden Sonne daran aus der ein Auge sie anstarrte.

"Unmöglich.." sie schüttelte den Kopf und schien sich gegen das, was sie sah, wehren zu wollen doch Norgram trat von hinten zu ihr und legte ihr eine Hand auf die Schulter.
"Bei allem Respekt MyLady - ich denke, ihr habt eine nicht geringe Aufgabe vor euch"
Wütend fuhr sie herum und ihre Augen blitzen in hellem Zorn auf.
"DAS? Das soll der Held aus den Bildern sein, die mir im Schlaf gesandt wurden? Ein strahlender Krieger, der sich gegen das Gezücht aus der Nacht stellt, das wider allem Leben ist?"
Ihre Worte klangen hell und wuterfüllt in die Nacht.
"MyLady.." die Stimme des alten Mannes war beschwichtigend und sein Kinn deutete auf das Kind, das bei den Worten Jandreas noch kleiner geworden zu sein schien.
"Ist euch vielleicht in den Sinn gekommen, dass es eure Erziehung sein könnte, die ihn zu einem Held macht?"

Man hörte das Knirschen ihrer Zähne und ihre Nasenflügel bebten. Dann wandte sie sich dem Jungen zu.
"Wie ist dein Name" .. sie versuchte, weniger harsch zu klingen - mit mäßigem Erfolg.
"Ich.. .. ich bin.. ... Joredan... ..  Joredan von.. .. von Merakesh.. aus dem Haus der .. ... der.. .. neunten Sonne.. .. "
Er stammelte die Worte hervor und seine Lippen waren farblos und dünn.
Jandrea musterte ihn und hing ihren Gedanken nach.
Sie hatte von jenem Volk gehört. Sie glaubten, wie auch sie selbst, an die Sonne und das Licht, an die Gerechtigkeit der Flammen.. die Zeitalter teilten sie ein in die Herrscherhäuser - und das letzte war das, der neunten Sonne. Doch das war vor dem Krieg, der in jenem Landstrich ausbrach.
Anhänger der falschen Götter hatten sich überworfen und das einstmals friedliche Reich überrannt. Was aber tat dieses Kind hier?
Der Späher beantwortete ihre Frage mit bedrücktem Gesicht, als habe er ihre Gedanken gelesen.
"Die Eltern des Jungen sind tot" er deutete hinter sich in die Nacht und den Schnee "sah aus wie eine Hinrichtung.. der Junge konnte wohl entkommen."

Das Kind blickte aus dunkler werdenden Augen zu Jandrea hinauf und sie schüttelte kaum merklich den Kopf.
"Also ist sein Haus ausgelöscht?" sie ging auf die Knie vor dem Jungen und nahm die goldene Sonne in die Hand, die er an jener Kette trug, die zu schwer für ihn anmutete. Sie hatte davon gehört, dass man die Herrscherfamilie jagte - offensichtlich mit Erfolg.
"Diese ist von deinem Vater, oder?" ihre Stimme klang plötzlich ruhig, beinahe sanft - ungewohnt, wie es Norgram durch den Kopf schoss.
Der Junge nickte nur und bestätigte den Verdacht, den Jandrea gehabt hatte. Er war der letzte seiner Blutlinie und nun war es ihre Aufgabe, ihn großzuziehen und ihn zu jenem Mann zu machen, den sie im Schlaf gesehen hatte.
Sie musterte ihn eine Weile - die blassen Wangen, die vom Weinen geröteten Augen, dann seufzte sie.
"Wir kriegen das schon hin" murmelte sie und Norgram überlegte, ob sie dem Jungen, oder sich selbst damit Mut zusprechen wollte.

Dann erhob sie sich und rief in die Runde.
"Wir haben gefunden, was wir suchten - im Morgengrauen reiten wir zurück".
Erleichterung brannte ihr entgegen. Niemand hier mochte die Kälte und jeder wünschte sich zurück nach hause.

 

 

Kapitel 2 - Joredan

 

Die Abendsonne schien nur noch blass durch die Fenster des ausgebauten Hofes, auf dem ihr Orden eine Heimat gefunden hatte.

Die Räume waren schlicht, eine kleine Kapelle war am Rande des Hofes errichtet worden und im Sommer hüllten sich die Bäume aus dunklem Nachtholz in frisches Grün, wenn auch nur für wenige Wochen, denn selbst die Sommer waren hier in dieser Gegend kühl und grimmig.

Doch nun war es Winter und der Frost kroch durch die Ritzen zwischen den Steinen hindurch, an den Fenstern hinauf und wurde nur von den zahlreichen Feuern ferngehalten, die im Inneren der Räume entfacht wurden.
Jandrea lehnte in der Nähe eines großen Kamins und beobachtete den Jungen.
Merakesh.. das Haus der neunten Sonne.. sie runzelte die Stirn.
Sie hatte viel gehört von jenem Herrscherhaus. Strahlend und hell waren die Dächer aus Gold fern in südlichen Gefilden gewesen, die Luft roch nach schweren Blüten und süßem Obst und der Sand, aus dem Palmen und dickblättrige Pflanzen wuchsen, war so weiß, wie die Wolken, die den Himmel dort nur selten zierten – so berichtete man.
Zahllose Flüsse zogen durch das Land hindurch und so trug es den Namen Nardenas - Reich der Tausend Wasser.
Man erzählte sich, dass die Strände dort im Sonnenlicht glitzerten und man sich nur niederknien brauchte, um einen Edelstein zu finden.
Doch das waren alte, friedvolle Geschichten, von denen heute kaum noch gesprochen wurde.
Längst hatte erbitterter Krieg den Sand und die Flüsse Nardenas rot gefärbt als das Herrscherhaus von Merakesh mit den wüsten Wölfen der Dunkelwälder zusammenstieß.
Jene waren ein barbarisch anmutendes Volk, dunkel und düster und man munkelte von finsterer Magie, die sie trieb und ihre Toten zum Leben erweckte.
Die Fehde zwischen Nardenas und Joremain, dem Land der Dunkelwälder, bestand schon lange, doch war sie schwelend gewesen, verborgen in Intrigen und Flüstereien.
Dass es dabei nicht bleiben würde hatten viele vorhergesagt. Das Volk der Dunkelwälder war zu wild und grausam um sich allzu lang mit höfischem Geschwätz abzugeben und so entbrannte vor nicht wenigen Jahren ein offener Krieg der sich vor einiger Zeit er sich zu Ungunsten des Hauses Merakesh entschieden hatte.
Seither wurde die Familie gejagt - mit Erfolg, wie es schien. Vermutlich war der Junge der einzige, der das Massaker überlebt hatte.
Sie war selbst noch einmal zurückgeritten und hatte sich die Leichen seiner Eltern und Geschwister angesehen - allesamt hatten sie die bronzene Haut und das tiefschwarze Haar, das von ihrer Herkunft sprach und allesamt waren sie enthauptet worden Der Lord und seine Frau, drei junge Mädchen von denen die jüngste kaum drei Sommer alt war und vier Knaben.
Die Hände hatte man ihnen auf den Rücken gebunden, die Köpfe lagen zwischen den im Schnee ausgebluteten Körpern und man konnte kaum noch ahnen, welcher Kopf zu welchem Leib gehörte.

Wie waren sie hierher gekommen, mitten in die Nordwälder?
Und warum hatte als einziger der Junge überlebt?

Wieder musterte sie ihn.
Er war anders, als die anderen seiner Familie. Seine Haut war blass und sein Haar hing in braunen, glatten Strähnen über seine grünen Augen. Er selbst war hager und seine Blicke huschten furchtsam von einer Ecke des Raumes in die andere, jederzeit bereit um davonzulaufen.

Jandrea seufzte.
Dies sollte der Held aus all ihren Vorhersehungen werden?

Er hatte noch kein Wort gesprochen, seit sie hier waren und kaum gewagt, sie anzusehen. Norgram hatte sie gemahnt, Geduld zu haben mit dem Kind und sie hatte Geduld heraufbeschworen, doch nun war es genug.
So, wie sie ihn einschätzte, lag mehr Arbeit vor ihnen beiden, als in einem Leben erreichbar wäre und ein Leben hatten sie nicht - bestenfalls ein halbes.

"Joredan", die Stimme Jandreas zerschnitt hell und klar die von Rauch und Essengerüchen schwangere Luft. Der Junge sah zu ihr mit aufflackernder Angst im Blick. "Komm mit."

Die Worte waren keine Bitte sondern eine Forderung und der Junge musste bemerkt haben, dass sie keinen Widerspruch dulden würde.
So folgte er ihr hastig mit geweiteten Augen nach draußen in den Hof, wo eisiger Wind um die Häuser heulte.
Eine Gruppe von Männern hatte Pferde gesattelt und war bereit, fortzureiten.
Zur Festung - so wusste selbst er es bereits.
Sie war im Bau und trotz des Winters und der widrigen Umstände ruhten die Arbeiten dort nicht. Eine Festung des Ordens - so hatte er aus den Gesprächen herausgehört, und irgendetwas daran sollte besonders sein, doch was, das wusste er nicht.
Seit drei Jahren bauten sie an dem Monument und noch sieben sollte es dauern, bis es fertig gestellt wurde.
Jeder sprach davon - die Ordensbrüder und -schwestern, die Mägde und Stallknechte und jeder, der in der Küche arbeitete.
"Joredan", scheuchte die kalte, klare Stimme der blonden Frau ihn aus seinen Gedanken.

"Mit dem heutigen Tag wird dein Unterricht beginnen." Sie sah ihn an und ging dabei im Schnee auf dem Hof auf und ab.
"Du wirst die Regeln des Ordens lernen, den Umgang mit Waffen, Strategie, Geschichte, Sprachen.. alles was notwendig ist, um deiner Bestimmung gerecht zu werden."

Wieder sprach sie von jener Bestimmung, von der er nichts wusste und nichts verstand. Er fühlte sich fremd an diesem Ort und verloren und wenn er die Augen schloss, sah er die im Tod verzerrten Gesichter seiner Eltern und Geschwister, sah die Tränen seiner kleinsten Schwester auf ihrem erstarrten Gesicht, als ihr Kopf in den Schnee fiel. Schlaf war ihm fremd geworden und so fühlte er sich mit jedem Tag, den er hier verweilte, schwächer.
Vielleicht würde er einfach sterben und so zu seiner Familie finden - manchmal hoffte er dies.
Doch da vernahm er wieder die Stimme jener Frau und er sah zu ihr.
Sie war groß und schlank und von einer herben Schönheit, in den Zügen sichtbar der Wille einer Kriegerin, geschmeidig in ihren Bewegungen und trainiert, bedacht, was sie tat - ganz anders als die Frauen in seiner Heimat, die früh lernten zu sticken, zu singen und zu tanzen.
Sie war immer gerüstet - wenn nicht in schimmernden Stahl, so zumindest in Leder und Nieten - bisher hatte er sie nie anders gesehen.
Eine Weile tauschten die beiden Blicke und mit einem Mal hatte er das Gefühl, sie würde bis in sein Herz hinabsehen. So tief hatte ihr Blick sie noch nicht berührt, seit sie hier waren und das Schweigen, das in diesem Augenblick in der Luft lag, hätte man mit Klingen schneiden können.

Jandrea sah ihn an.
Was sie tat, hatte sie nicht tun wollen.
Er hätte aus sich selbst zu ihr kommen sollen, sich öffnen sollen. Doch bei dem, was diesem Kind geschehen war, hätte dies Wochen und Monate gedauert und auch wenn Norgram auf sie eingeredet hatte, wie auf ein krankes Pferd, so hatte sie ihn schlussendlich mit harten Worten zum Schweigen gebracht.

Die alte Welt war zerbrochen - und die neue galt es nun zu schützen, vor den falschen Göttern und dem Dunkel, das aus seinen Löchern herauskroch und immer mächtiger wurde.
Dies war das, was sie glaubte und was sie auch ihm gesagt hatte und er hatte geseufzt und die Schultern gehoben.

Nun hatte sie in die Seele des Jungen geblickt, etwas, das ihr als Gabe in den Schoß gelegt war, was sie aber nicht anwenden wollte, wenn es nicht unbedingt notwendig war, denn es raubte ihrem Gegenüber jedes Geheimnis und machte ihn offen und verwundbar.
Sie hätte nicht gewollt, dass dies jemand mit ihr tat und so hatte sie früh gelernt, diese Gabe zu unterdrücken.

Hier und jetzt aber war dies der Schlüssel zu dem verängstigten Jungen und bevor sie erneut zu sprechen begann, trat sie auf den Jungen zu und ging vor ihm auf die Knie um ihm in die geweiteten Augen blicken zu können.
"Was deiner Familie geschehen ist, kann ich nicht rückgängig machen Joredan. Doch ich kann dir zeigen, was du wissen und verstehen musst um jene zu strafen, die dies zu verantworten haben und um die zu vertreiben, die dies anderen antun wollen.
Lerne zu beschützen, was Schutz benötigt, lerne die Wege jenes einen, der aus der ewigen Nacht trat, um uns das Licht zu bringen und verteidige das Leben, das es zu schützen gilt.
Zu viel Unrecht geschieht in dieser Welt und zu viel dunkle und düstere Magie erfüllt die Körper der Toten mit unnatürlichem Leben um sie zu Soldaten in einem Krieg zu machen, der erst noch kommen wird.
Ich weiß, der Weg, den ich dich bitte zu gehen ist hart - doch er ist auch voller Gerechtigkeit und Licht."

Nun schwieg sie und sah ihn an, wartend, was ihre Worte in ihm bewirken würden.
Sie hatte gesehen, wie viel unterdrückter Zorn in dem kleinen Herzen wohnte über das, was mit seiner Familie geschehen war und wie viel Schuld er bei sich selbst suchte, dafür, dass er überlebt hatte.
Sie war verwundert und irritiert, dachte sie doch, er habe sich versteckt um dem grausamen Schicksal zu entrinnen, doch dem schien nicht so gewesen zu sein. Was jedoch genau geschehen war verbarg sich sogar ihrer Gabe und so beließ sie es vorerst dabei.

Joredan hingegen hatte ihre Worte vernommen und ließ sie eine Weile wirken.
Er hatte Angst - Todesangst wenn er ehrlich war. Er kannte niemanden hier und die Bräuche waren ihm  fremd.
Einzig das Licht der Flamme, das sie in ihrem Wappen trugen, war ihm nahe, denn auch seine Väter glaubten an das Licht, das aus dem Dunkel kam und an den einen, der es ihnen brachte. Darum war das Wappen seines Hauses die Sonne, die in sich das Auge trug, denn durch die Sonne, so glaubten seine Vorväter, hatte jener eine auf die Welt geblickt um zu sehen, was geschah.

Er atmete langsam und tief durch.
Eine Wahl gab es nicht. Gleich wie sehr er sich fürchtete - diese Frau versprach ihm, einen Weg zu finden, seine Familie zu rächen und andere vor seinem eigenen Schicksal zu bewahren.
Was, wenn nicht dies, wäre schlussendlich eine gerechte Wiedergutmachung dafür, dass er noch am leben war?
Er sah an sich herab, wusste, er war kleiner und schmaler als seine Geschwister und sah dann zu ihr in jene hellen, leuchtenden Augen.

"Was muss ich tun?"

Seine Stimme war dünn und brüchig im eisigen Wind, der in ihre Gesichter schnitt.
Ihre Lippen formten ein dünnes Lächeln.
"Du hast gerade den ersten Schritt getan - den Rest kriegen wir sicher auch noch hin".
Dann sah sie nach oben.
Es hatte den ganzen Tag geschneit doch gegen Abend waren die Wolken aufgerissen und die ersten Sterne blitzten vom Himmel hinab.
"Weißt du, was die Sterne sind?" fragte sie ihn.
Er zögerte eine Weile, ehe er antwortete, leise und unsicher.
"Als jener eine aus der ewigen Nacht trat, brachte er uns das Licht, Sonne und Mond und Feuer, die uns Tag und Nacht weisen und uns wärmen. Als man ihn aber aus der Welt stieß, weinten Sonne und Mond vor lauter Trauer und ihre Tränen hafteten am Himmel und sind seither nachts dort zu sehen als Sterne und das Feuer weint bis heute in glühenden Funken, wann immer es irgendwo brennt".
Sie lächelte.
"In Geschichte bist du also gar nicht so schlecht."
Sie klopfte ihm auf die Schulter.
"Schauen wir, wie talentiert du im Umgang mit dem Schwert bist".