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Kapitel 015


Serena versuchte die Lippen zu öffnen und etwas zu sagen, doch noch ehe sie auch nur einen Atemzug hätte formen können fuhr ihr Lehrer sie mit schneidender Stimme an.
„Schweig!“
Seine Augen funkelten und sie musste schlucken. Was war geschehen? Sie erinnerte sich an das Buch und an den Wunsch, sich zu befreien… schwach vernahm sie ein schmerzhaftes Klopfen in ihrer Hand und hob sie mit viel Mühe vor ihre Augen um sie zu betrachten. Doch bei der kleinsten Bewegung schoss ein scharfer Schmerz durch ihre Finger und bis hinauf in ihre Schulter. Das Feuer.. ja.. sie erinnerte sich, auch wenn es Bilder wie von sehr weit her waren.
Kälte flackerte in Diprees Blick auf und in einer ruckartigen Bewegung griff er nach ihrer Hand die, wie sie nun sah bandagiert war und während ihr vor Schmerz fast die Sinne schwanden presste er ihre Finger hart zusammen und sein Blick bohrte sich in ihren.
„Wie dumm kann man sein? Wie unfassbar geistlos, dass du es drauf anlegst, auf dem Scheiterhaufen zu enden? Sag es mir...“
Der Zorn, der ihr aus seiner Stimme entgegenschwappte und das jähe Brennen in ihrem Arm raubten ihr den Atem und sie war nicht in der Lage zu antworten. Nach Luft schnappend und keuchend riss sie die Augen angstvoll auf und presste sich zurück in ihre Kissen als gäbe es dort einen geheimen Fluchtweg.
Dipree hingegen verharrte, seine Lippen verzogen sich verächtlich und sein eiserner Griff schloss sich noch etwas fester um ihre Hand. Erst als die Farbe gänzlich aus ihren Lippen gewichen war und das Flackern ihrer Augen ihm verriet, dass sie nahe daran war, das Bewusstsein zu verlieren, ließ er ab von ihr und setzte sich wieder. Serena keuchte, der Schmerz wollte nicht nachlassen und gleichzeitig breitete sich etwas anderes mit einer ungeahnten Heftigkeit schmerzlich in ihr aus.
„Das.. Buch..“ stammelte sie tonlos.
„Du meinst das, was du verbrennen wolltest? Hast du nun Sorge?“ wieder klang das Eis in seiner Stimme schneidend und hart. „Ich sollte es behalten, damit du nicht wieder auf die verrückte Idee kommst, dich gleich mit ihm zu verbrennen.“
Tränen stiegen in ihr auf, als sie begriff, seinen Worten entnehmen zu können, dass sich das Gesuchte in seinem Besitz befand.
„Bitte...“ keuchte sie.
Dipree sah sie eine Weile an, dann stand er auf und führte sein Gesicht dicht an ihres.
„Ich werde es vorerst behalten. Ehe ich es dir zurückgebe – falls, und nur falls – ich das beabsichtige, dann sicherlich erst, wenn ich auch den Eindruck habe, dass du damit umgehen kannst. Und keinen Tag eher wirst du es wieder zu Gesicht bekommen.“
Verzweiflung grub sich aus ihrem Innersten hervor und erfüllte sie mit dem unerträglichen Gefühl der Machtlosigkeit. Leise begann sie zu weinen und hasste sich im gleichen Augenblick dafür, da es sie ihm noch mehr auslieferte, als sie es ohnehin schon war.
„Bitte…“ flüsterte sie noch einmal.
Doch ihr Lehrer richtete sich nur auf und ließ seinen Blick kalt auf ihrem Gesicht verweilen.
„Es wird Zeit, dass wir fortgehen.“ Ungeachtet des Schreckens, der sich in auf ihren Zügen ausbreitete fuhr er fort „Ich werde mit deinem Vater sprechen und ihm klar machen, dass es Zeit für dich ist, mehr zu sehen als nur das Anwesen und die Wälder ringsum. Wenn er meine Ansicht teilt, werden wir uns auf eine – kleine – Reise begeben und ich werde dich lehren, wie man sich zu verhalten hat.“
Sie wollte etwas erwidern, aber sie konnte es nicht.
Still und gebrochen lag sie in ihrem Bett und ihr Blick glitt durch ihn hindurch. Sie versuchte sich auzumalen, wie es sein würde, allein auf ihn angewiesen zu sein, doch ihr Verstand weigerte sich, diesen Gedanken weiterzuverfolgen. Ohne etwas zu sagen schloss sie die Augen, während er begann den Verband um ihre vom Feuer verletzte Hand abzunehmen. Langsam und sorgfältig trug er verschiedene Salben und Kräuter auf die zerstörte Haut und erneuerte den Leinen darüber. Dann sah er noch einmal in ihr, von winzigen Schweißperlen bedecktes Gesicht, wandte sich ab und verließ den Raum.