Kapitel 001


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„Serena...!“

Es hallte über die Wiese hinweg bis an den Rand des kleinen Wäldchens, das sich dahinter erstreckte.
Der Ton war scharf und fordernd und sein Echo war das leise Rascheln von Laub und das Knacken kleiner Äste, als ein Mädchen, mit struppigen schwarzen Haaren und dunklen Augen aus dem Wald hervortrat und sich suchend umsah.
„Ich bin hier.“ sprach das struppige Kind, als würde es hoffen, nicht gehört zu werden, während eine wohlbeleibte, ältere Dame mit streng zurückfrisiertem grauem Haar und einem Gesicht, das an eine Dogge erinnern könnte, auf sie zumarschierte.
Ihr langer, dunkler Rock rauschte um sie herum und ihre Augen funkelten wütend.
„Ist dir nicht verboten worden, in den Wald zu gehen? Und wie siehst du eigentlich aus?“
„Aber ich...“ versuchte es das Kind leise
„Irgendwann wird dich jemand mitnehmen und ins Weisenhaus bringen, weil er dich für ein Gossenkind hält, ist dir das klar?“
„Ich wollte aber doch nur... „
„Sei still! Widersprich nicht dauernd. Deine Eltern müssen sich deiner schon genug schämen.“
Das Kind verzog das Gesicht und murmelte etwas vor sich hin was die Wut der Dame allerdings nur zu schüren schien.
„Freches Gör. Pack dich und sieh, dass du wieder aussiehst, wie es sich für deinen Namen geziemt. Deine Strafe erhältst du, wenn man dich wieder ansehen kann, ohne sich schämen zu müssen, mit dir in Verbindung gebracht zu werden. Ich erwarte dich in 15 Minuten sauber und ordentlich angezogen in meinen Räumen.“
Damit wandte sich die Dame um und ging den Weg zurück, den sie gekommen war.

Kaum war sie außerhalb der Hörweite, hörte man es wieder rascheln und ein zweites Gesicht tauchte am Waldrand auf. Ein Junge, mit kupferroten Locken und Sommersprossen um die Nase sah zu dem Mädchen hinüber und näherte sich schließlich langsam.
„Tut mir leid, Sen..“
Das Mädchen schüttelte den Kopf.
„Ist doch nicht deine Schuld.“ Sie ließ die Schultern hängen und heftete ihren Blick in die Richtung, in der die Dame verschwunden war.
„Ich muss gehen“
Der Junge zog die Brauen zusammen und legte den Kopf schief.
„Geh doch nicht, Sen. Wir können weglaufen und unseren eigenen Weg gehen, Abenteuer suchen..“
Serenas dunkle Augen musterten das blasse, sommersprossige Gesicht.
„Das ist kein Spiel“, dann seufzte sie „ich muss gehen. Sie“ und ihr Kinn deutete in die Richtung, in die ihr Blick zuvor schon geheftet war „versteht wirklich keinen Spaß. Bis bald“
Und mit diesen Worten rannte sie los.
Der Junge stand noch eine Weile dort und sah ihr nach. Weit hinter der Wiese ließ sich der Umriss eines großen Gebäudes ausmachen das rechts und links von Türmen gesäumt war. Er wusste, dass sie dorthin ging und schüttelte leicht den Kopf.
Dann zuckte er mit den Schultern und verschwand wieder zwischen den Bäumen des Waldrandes.